@Malefiz: Ich möchte keineswegs unhöflich wirken und dich irgendwie abfertigen, das ist nicht meine Art, bitte entschuldige wenn das so rüberkam.
Hier meine Stellungnahme:
1.) Im mittelalterlichen Christentum unterstanden fast alle Lebensbereiche den Dogmen dieser Religion bzw. der Autorität religiöser Machthaber.
Im Zuge religiöser Revolution, der öffentlichen Bildung und freier Lehre musste die Theologie den Wissenschaften weichen, bis zur Säkularisierung, also der Trennung staatlicher Gewalt und Kirche.
Sämtliche sozial- und wirtschaftspolitische Bereiche waren von diesem Wandel betroffen, so dass bisherige Machbereiche wie Rechtsprechung, sowie Wertefestlegung in Fragen der Ethik und Evolution nun nicht mehr der Kirche unterstanden.
Im späten 19. Jahrhundert verlor das Christentum in Europa also erheblich an Einfluss und musste verschiedene Formen der Distanzierung hinnehmen die es so vorher nie gab.
2,) Das verbrennen lebender Menschen mit einher- oder vorausgegangener Folter empfinde ich als grausam und unmenschlich.
Noch verachtenswerter ist es wenn dazu der Name (eines) Gottes missbraucht wird.
Traurig und (vorsichtig ausgedrückt) fragwürdig empfinde ich die Haltung der Kirche diesbezüglich, die sich bis heute, auch nicht annähernd, von diesen Gräueltaten, distanziert hat.
Auch gewisse heutige Normen und Werte der christlichen Kirche empfinde ich als unzeitgemäß, realitätsfern und mitunter lebensfeindlich.
Zu Punkt 1: Das bedeutet ferner dass wenn ich tatsächlich, in einem satanischen Ritual, der schwarzen Katze, den Garaus mache -was weder ich noch die meisten Satanisten tun würden- ich dann von einem Gericht und nicht von der heiligen Inquisition abgeurteilt werde.
Pers. Anm.: "Nein! Ich bin kein Satanist und bete nichts Gehörntes an!"
Wenn mich mein Nachbar wegen falschparken anzeigt oder mich wegen meinem Gartenzwerg verklagt, der angeblich obszöne Gesten in seine Richtung macht, dann stehe ich auch vor einem Richter, nicht vor einem Inquisitor.
Ich werde auch keinem Gottesurteil unterzogen oder von der Inquisition gefoltert sondern erhalte eine Geld-, Haft- und/oder Bewährungsstrafe, je nach Vergehen bzw. Verbrechen.
Man mag unserer Rechtssprechung viel negatives nachsagen, was oft auch berechtigt ist, aber inquisitionsähnliche Zustände wurden abgeschafft.
Zu Punkt 2: Ich nehme an dass wir zumindest in diesem Punkt, in einigen Aussagen, übereinstimmen.
Aktuelles Beispiel wären die Missbrauchsfälle in der kath. sowie der evang. Kirche und das beidseitige schamhafte Ausschweigen darüber, seitens hochrangiger Kirchenvertreter.
Auf die sogenannten "Ketzerverbrennungen" kann ich nun folgendermaßen reagieren.
Ich kann mir Gleichgesinnte suchen, mit ihnen dann Kerzen und Schilder in die Hand nehmen und auf der Straße meinen Unmut kundtun was vor vielen hundert Jahren alles verbrochen wurde.
Das Ergebnis dürfte sein dass ich mitleidig belächelt oder gar bepöbelt werde und man mich vielleicht als eine Art wirrer Freak bezeichnet.
Ich kann im Internet mit bunten großen Lettern, dramatisch aufgepuschten Videoclips und mehr oder weniger geistreichen Zitaten, beispielsweise denen eines gewissen Herrn Campino von den "toten Hosen", zu Scham, Schuld und Selbstbezichtigung aufrufen!!??
Die Frage ist nur in wessen Namen ich dies tue und wer mich dazu befähigt bzw. beruft im Namen der Opfer zu sprechen, die vor hunderten von Jahren der Inquisition zum Opfer fielen?
Waren etwa nahe Angehörige von dir Opfer der Inquisition?
Wurde dein Kind von einem Inquisitor verbrannt?
Wer soll sich jetzt dafür schuldig fühlen und Scham empfinden oder sich gar verantwortlich fühlen?
Selbst der Vatikan wird sich allerhöchstens in der Form distanzieren dass er die Vorgänge bedauert aber der derzeitige Papst wird deshalb trotzdem weder zurücktreten noch abgeurteilt, warum auch?
Hier von Scham und Schuld zu reden oder düstere Zukunftsvisionen auszusprechen hilft nichts!
Hier hilft, meines erachtens, nur nüchterne historische Aufklärung, wozu ich aber nicht die benannten Videoclips der sensationsgeilen Main-Stream-Medien zähle.
Mit einem hast du allerdings Recht!
In unserer Gesellschaft gibt es gewisse Gruppierungen die einen "Gottesstaat" mit einhergehender religiönskonformer Rechtsprechung, durchaus befürworten würden.
Da wird auch vor öffentlichen Folterungen, Ehrenmorden und Hinrichtungen nicht zurückgeschreckt.
Mit dem Vatikan oder dem Christentum an sich haben diese Gruppierungen recht wenig gemeinsam.
Auf diese Leute sollten wir ganz genau achten!
Sich darum zu kümmern wäre sinnvoller und zweckmäßiger als um die Inquisitionsopfer vor vielen hundert Jahren.