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Der Fall Klingenberg kann sowohl als "Abgegrenzter Fall" oder als Puzzlesteinchen in der Gesamtheit der Kirchengeschichte behandelt werden. Ich habe mich letzterem gewidmet und diverse Kirchengeschichte+Inquisition im "Anneliese Michel Threadt" plaziert. Sehr suboptimal, wie ich schon bemerkt habe! Hatte mir auch überlegt, es wieder zu löschen, dann aber zugunsten der zusammengetragenen Informationen entschieden.
Die "bunten Buchstaben" sind keine "Effekthascherei" (hat es das Thema wirklich nötig?) das Auge mag Abwechselung
Ich stelle jede Information in Frage, und ich hinterfrage jeden Clip. Trotzdem bin ich bin froh, daß es das inet gibt und denke, daß die Menge der richtigen Informationen überwiegt. "Gott gibt einem das Brot - essen muss man es selbst". Schreiben ohne Quellenangaben ist nicht so gut. Ihr habt alle die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was ihr glaubt oder die Dinge nachzuprüfen. Wichtig ist jedoch, erstmal einen INPUT zu bekommen.
*****
Zitat:
Die flehenden Kinderaugen der verbrannten Kinder haben wir nicht gesehen
Ich auch nicht, aber das kann sich doch wohl jeder denken. @Großer Drache, ich versteh dich in dieser Hinsicht nicht ...
Zitat:
sich selbst auf der Seite der vermeintlich Guten zu fühlen
Klar! (wurde oben auch schon geschrieben) Das Gute" ist immer auch das Böse. "Gut und Böse essen vom selben Teller"
(andere Ausdrucksweise: "Es kommt immer auf die Seite an, auf der man steht")
Dennoch braucht es schon verdammt guter Argumente, ein Kind lebendig zu verbrennen - und das hat nichts mit "Schuldzuweisungen und Idoktrinieren eines schlechten Gewissens" zu tun. Wenn derartige Themen als "emotionalen Gefühlswallungen" interpretiert werden, möge man über das Theama Selbstgerechtigkeit nachdenken. Es ist etwas anderes, ob das Kind anderer auf dem Scheiterhaufen steht oder DAS EIGENE
Zitat:
Ich habe nämlich deine Quellen als Quellen nicht angezweifelt. Nur die Art und Weise, die uns diese Quellen mitteilen, passten mir ebenfalls nicht zum Fall Michel.
Ja, Cedrak, du hast recht.
Zitat:
Die generelle Diskussion über Kirche oder nicht Kirche ist wirklich ein ganz anderes Blatt Papier.
Ich denke nach wie vor, ein eigener Threadt zu diesem Thema wäre in vielen Aspekten vorteilhaft.
Zitat:
Ich dachte vorerst, dass es hier um das Phänomen der Besessenheit Michels an sich geht und nicht um die Verfahrensweise, der Gesellschaft vor 500 Jahren.
Ging es auch. Ich habe es zweckentfremdet. Aber das jahrealte Thema wurde wieder ausgegraben (nicht von mir). Vielleicht SOLL es nicht in Vergessenheit geraten? Meine globale Denke --- es passt nicht in einen "nur Michel Theama", aber diese Themen gehören alle zusammen.
Zitat:
perspektivische Verzerrung
Sorry, wenn ich euch zuviel zugemutet habe.
(ich komme nun wieder zu @Großer Drache)
Ich fasse mich oft allgemein.
Doch ich stelle an dich nun eine wichtige Frage:
Du schreibst
(1)
Zitat:
Man beachte aber dass die Menschen zur damaligen Zeit einem völlig anderem Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden und Werten bzw. gesellschaftlichen Normenzwängen unterlagen.
und gleichzeitig
(2)
Zitat:
Ethnische Säuberungen, Verfolgung gewisser Glaubensrichtung und ähnliches gibt es seit jeher und wird es immer geben.
Das ist genau, was ich meine!
Hat sich zur "damaligen Zeit" etwas geändert ?
(Kann die Evolution derartige Änderungen in nur 500 Jahren überhaupt leisten?)
Oder kann es sich jederzeit wiederholen ...
Wir Menschen müssen lernen, immer und immer mehr.
SIND WIR WEITERHIN GEFÄHRDET?
@Großer Drache, wie verbindest du beide Argumente (1) und (2)
Deine Antwort interessiert mich.
@Malefiz: Ich verbinde es so wie ich es geschrieben habe und zumindest nach meiner Ansicht beisst sich da nichts, wenn du das anders siehst ist es natürlich dein gutes Recht.
Wie gesagt bzw. geschrieben liegt es mir nicht auf solch gefühlsgewallter emotionaler Ebene zu diskutieren, da kommt selten was sachliches raus.
Wenn du der Meinung bist dass dieses Thema einen eigenen Thread wert wäre dann solltest du ihn eröffnen.
Ich finde die Beiträge die ich ansprach weder informativ noch zweckdienlich!
@Malefiz: Ich möchte keineswegs unhöflich wirken und dich irgendwie abfertigen, das ist nicht meine Art, bitte entschuldige wenn das so rüberkam.
Hier meine Stellungnahme:
1.) Im mittelalterlichen Christentum unterstanden fast alle Lebensbereiche den Dogmen dieser Religion bzw. der Autorität religiöser Machthaber.
Im Zuge religiöser Revolution, der öffentlichen Bildung und freier Lehre musste die Theologie den Wissenschaften weichen, bis zur Säkularisierung, also der Trennung staatlicher Gewalt und Kirche.
Sämtliche sozial- und wirtschaftspolitische Bereiche waren von diesem Wandel betroffen, so dass bisherige Machbereiche wie Rechtsprechung, sowie Wertefestlegung in Fragen der Ethik und Evolution nun nicht mehr der Kirche unterstanden.
Im späten 19. Jahrhundert verlor das Christentum in Europa also erheblich an Einfluss und musste verschiedene Formen der Distanzierung hinnehmen die es so vorher nie gab.
2,) Das verbrennen lebender Menschen mit einher- oder vorausgegangener Folter empfinde ich als grausam und unmenschlich.
Noch verachtenswerter ist es wenn dazu der Name (eines) Gottes missbraucht wird.
Traurig und (vorsichtig ausgedrückt) fragwürdig empfinde ich die Haltung der Kirche diesbezüglich, die sich bis heute, auch nicht annähernd, von diesen Gräueltaten, distanziert hat.
Auch gewisse heutige Normen und Werte der christlichen Kirche empfinde ich als unzeitgemäß, realitätsfern und mitunter lebensfeindlich.
Zu Punkt 1: Das bedeutet ferner dass wenn ich tatsächlich, in einem satanischen Ritual, der schwarzen Katze, den Garaus mache -was weder ich noch die meisten Satanisten tun würden- ich dann von einem Gericht und nicht von der heiligen Inquisition abgeurteilt werde.
Pers. Anm.: "Nein! Ich bin kein Satanist und bete nichts Gehörntes an!"
Wenn mich mein Nachbar wegen falschparken anzeigt oder mich wegen meinem Gartenzwerg verklagt, der angeblich obszöne Gesten in seine Richtung macht, dann stehe ich auch vor einem Richter, nicht vor einem Inquisitor.
Ich werde auch keinem Gottesurteil unterzogen oder von der Inquisition gefoltert sondern erhalte eine Geld-, Haft- und/oder Bewährungsstrafe, je nach Vergehen bzw. Verbrechen.
Man mag unserer Rechtssprechung viel negatives nachsagen, was oft auch berechtigt ist, aber inquisitionsähnliche Zustände wurden abgeschafft.
Zu Punkt 2: Ich nehme an dass wir zumindest in diesem Punkt, in einigen Aussagen, übereinstimmen.
Aktuelles Beispiel wären die Missbrauchsfälle in der kath. sowie der evang. Kirche und das beidseitige schamhafte Ausschweigen darüber, seitens hochrangiger Kirchenvertreter.
Auf die sogenannten "Ketzerverbrennungen" kann ich nun folgendermaßen reagieren.
Ich kann mir Gleichgesinnte suchen, mit ihnen dann Kerzen und Schilder in die Hand nehmen und auf der Straße meinen Unmut kundtun was vor vielen hundert Jahren alles verbrochen wurde.
Das Ergebnis dürfte sein dass ich mitleidig belächelt oder gar bepöbelt werde und man mich vielleicht als eine Art wirrer Freak bezeichnet.
Ich kann im Internet mit bunten großen Lettern, dramatisch aufgepuschten Videoclips und mehr oder weniger geistreichen Zitaten, beispielsweise denen eines gewissen Herrn Campino von den "toten Hosen", zu Scham, Schuld und Selbstbezichtigung aufrufen!!??
Die Frage ist nur in wessen Namen ich dies tue und wer mich dazu befähigt bzw. beruft im Namen der Opfer zu sprechen, die vor hunderten von Jahren der Inquisition zum Opfer fielen?
Waren etwa nahe Angehörige von dir Opfer der Inquisition?
Wurde dein Kind von einem Inquisitor verbrannt?
Wer soll sich jetzt dafür schuldig fühlen und Scham empfinden oder sich gar verantwortlich fühlen?
Selbst der Vatikan wird sich allerhöchstens in der Form distanzieren dass er die Vorgänge bedauert aber der derzeitige Papst wird deshalb trotzdem weder zurücktreten noch abgeurteilt, warum auch?
Hier von Scham und Schuld zu reden oder düstere Zukunftsvisionen auszusprechen hilft nichts!
Hier hilft, meines erachtens, nur nüchterne historische Aufklärung, wozu ich aber nicht die benannten Videoclips der sensationsgeilen Main-Stream-Medien zähle.
Mit einem hast du allerdings Recht!
In unserer Gesellschaft gibt es gewisse Gruppierungen die einen "Gottesstaat" mit einhergehender religiönskonformer Rechtsprechung, durchaus befürworten würden.
Da wird auch vor öffentlichen Folterungen, Ehrenmorden und Hinrichtungen nicht zurückgeschreckt.
Mit dem Vatikan oder dem Christentum an sich haben diese Gruppierungen recht wenig gemeinsam.
Auf diese Leute sollten wir ganz genau achten!
Sich darum zu kümmern wäre sinnvoller und zweckmäßiger als um die Inquisitionsopfer vor vielen hundert Jahren.
Geändert von Großer Drache (11.03.2010 um 10:39 Uhr)