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03.09.2008, 17:12
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Friedhöfe Beitrag #1
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Para-Akoluth
Registriert seit: 16.05.2008
Ort: Meppen
Beiträge: 149
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Friedhöfe
Hallo ihr,
seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit einer bestimmten Sache..
Mein Freund ist Gärtner und kümmert sich nebenbei um die Gräber alter Leute, die diese nicht mehr pflegen können. Letztens sollte ich mitkommen, weil wir danach wegfahren sollten.
Während er sich um die Pflänzchen gekümmert hat bin ich von Grabstein zu Grabstein gegangen und hab mir die Namen und Daten angesehen. Nun meine Frage:
"Warum verbuddeln wir Menschen unsere Toten unter der Erde und stellen einen Stein darauf mit Namen und Geburts- bzw. Todesdatum?"
Ja ich weiß, damit sie in Erinnerung bleiben und so weiter. Aber warum? Menschen die wir geliebt haben werden in unserern Herzen weiterleben, warum muss uns ein Stein an den Toten erinnern?
Erst kümmert man sich liebevoll um die Grabstätte, aber irgendwann wird es einem zu Last "Ich muss das Grab pflegen". Warum errichtet man sich ein Denkmal wenn es einem doch eh mal lästig wird?
Bestes Beispiel: Das Grab meiner Oma und Opa, anfangs haben sich meine Tanten gestritten wer für das Grab zuständig ist, da jeder es pflegen wollte und was ist jetzt? Es wuchert vor Unkraut und auf einmal hat keiner mehr Zeit.
Warum soll uns ein Stein an den Toten erinnern?
Da find ich die Idee besser von jmd, was ich letztens gehört habe: Da hat sich ein Mann irgendwie ausstopfen lassen oder ähnliches und sich angelehnt neben sein Sarg stellen lassen. Sein Gesicht wird wohl nie verblassen!
So jetzt dürft ihr mal weitermachen sonst werde ich hier gar nicht mehr fertig!
Liebe Grüße Sandy
Geändert von Kadenzroh (03.09.2008 um 17:57 Uhr)
Grund: hat sich erledigt :)
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03.09.2008, 18:15
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Friedhöfe Beitrag #2
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Fuchs & Super-Moderator
Registriert seit: 09.11.2006
Ort: Hansestadt Stralsünd
Beiträge: 2.144
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AW: Friedhöfe
Moi moi,
die Frage um den Totenkult ist schon seid Anbeginn der "Menschheit", bzw. seid Anbeginn der Frage nach dem Leben nach dem Tod, bzw. der Frage nach dem Sinn des Lebens.
Gräber als solches gab es bsp. schon bei den Neandertalern und auch schon bei den Frühhochkulturen, waren Friedhöfe/Gräber mit Namen einzelner, bedeutener Menschen schon Gang und Gebe gewesen.
Wenn ich mich nun nicht irre, denn begann der Kult, mit dem Geb.-und Sterbedaten im Mittelalter und auch in der frühen Phase dessen verbreitete sich dieser Kult in Europa so in einer ähnlichen Form wie sie heute vorzufinden ist.
Ebenso, ist im Mittelalter die Ansicht gewesen, dass man auch anhand des Grabes sein Leben repräsentierte. Ebenso die Frage nach dem Paradies wurde durch die Christialisierung und dem Ablasshandel spielten auch eine Rolle in der Art der Friedhöfe.
Und wenn man es symbolisch nimmt, der ungeschliffene Stein ist Symbol der Seele und wenn da die "Mindestdaten" eingesetzt sind , denn ist es für die Nachwelt, Arbeit für Ahnenforscher etc etc
Auch war in der Zeit des MA immer die Frage ob, die Gebeine geweiht waren, und wer nicht geweiht war, der durfte keinem geweihtem Boden (Friedhof) beigesetzt werden.
Da vereinen sich auch wieder die zwei Punkte des Wer (Ahnenlinie, Mensch, Leben) und die Frage nach dem Sein.
Des ist jedoch nur eine Vermutung und wer den genauen Grund kennt, den würde ich auch bitten zu schreiben
Mfg KR
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03.09.2008, 18:42
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Friedhöfe Beitrag #3
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Para-Practicus
Registriert seit: 15.06.2007
Beiträge: 540
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AW: Friedhöfe
Es ist schon komisch das wir uns ausgerechnet auf diese weise den Toten gedenken.
Wäre es nicht vielleicht besser wenn unser Körper wieder eins mit der Nahrungskette werden (das ist nur halb sarkastich gemeint).
aber wenn man mal nach denkt wie will man es anders machen?
ich persönlich werde mich verbrennen lasse, nach dem meine Organe gespendet wurden natürlich. Meine Asche soll dann verstreut werden wenn sie keiner als andenken will.
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03.09.2008, 18:46
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Friedhöfe Beitrag #4
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Para-Medicus
Registriert seit: 31.05.2008
Ort: in einer harten realen Welt
Beiträge: 771
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AW: Friedhöfe
Hallo Sandykuecken ,
interessant Frage die du da stelltst.
Möchte versuchen dir darauf eine Antwort zu geben .
Schon seit den Anfängen des Mittelalters hat die römisch- kath. Kirche daran festgehalten außerhalb der Stadtmauern die Verstorbenen zu beerdigen, auf einem freien Feld, dass
eingefriedet war.
Dies war auch bei den Römern, Kelten und Germanen so.
Du siehst hier liegt eine lange Entwicklung zu unserer Friedhofskultur vor.
Deutschland hat nun bestimmte Regularien, sogenannte Friedhofverordnungen, an die
sich die Bürger halten müssen. Dazu gehört auch eine Grabpflege. Wenn sie von den Angehörigen nicht vorgenommen wird, ergeht ein entsprechender Bescheid.
Sollte dies auch nicht mehr möglich sein, wird sich Gemeinde in einem gewissen Zeitraum der Grabpflege widmen, d.h. die Öffentlichkeit kommt dafür auf.
Durch diese Verordnungen sind die Hinterbliebenen verpflichtet sich den Gegebenheiten
anzupassen und dann auch vielleicht den Stein, mit den Daten aufzustellen.
Ansonsten sollen diese Orte ja auch eine „Begegnungsstätte“ , ein Ort des Friedens und der Ruhe , im wahrsten Sinne des Wortes sein.
Ausnahmen werden allerdings auch gemacht, wie z,B, Seebestattungen usw.
P.S. bei dem ausgestopften Mann, handelt es sich, soweit ich mich noch erinnern kann, war in einer bekannten Tageszeitung abgebildet, um einen jüngeren Mann, den man einbalsamiert
hatte, und der sich gewünscht hatte, während der Trauerzeremonie nicht im Sarg zu liegen,
sondern daneben zu stehen. Ich weiß nicht , ob das in unserer Kultur so viel Anklang finden würde ?!?
Hoffe dir weitergeholfen zu haben.
PERCOR
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03.09.2008, 20:43
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Friedhöfe Beitrag #5
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Registriert seit: 13.09.2007
Beiträge: 0
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AW: Friedhöfe
nun, soweit ich mich erinnern kann, hat man ja schon im alten ägypten, sein "wichtigen" leute in sarkophage gepackt und mit allem wichtigen ausgestattet, damit sie im jenseits nicht so verlassn dastehen. zu den wichtigsen dingen gehörten: die organe (getrennt vom körper), zeichnungen von essen, trinken und sonstigen genussmitteln (ich glaub des war, weil die zeichnungen sich im jenseits materialisieren) und eben ganz wichtig:der name und die zeit, die man auf erden verbrachte. je größer dann auch noch das grab war, desto bedeutender der genosse.
diese tradition hat sich eben soweit fortgesetzt, dass inzwischen neben dem wichtigsten(namen und zeit auf erden), nun andere zeichnungen sind. von tauben, die eine blume bringen oder von einer traurigen maria, die den toten beweint. aber im endeffekt doch auch mit der hoffnung, dass der etorbene es sieht und sich evtl darüber freut.
bei der beerdigung meiner oma, haben sich ale verwandten jedenfalls sehr darum bemüht, dass es ihr gefallen würde.
alles in allem ist es vllt dergedanke an das letzte, das letzte, was man für die entschlafenen tun kann:ihnen ein schönes letztes bett zu bauen.
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03.09.2008, 21:49
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Friedhöfe Beitrag #6
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Para-Practicus
Registriert seit: 15.12.2007
Beiträge: 501
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Friedhöfe
Hi Sandy,
wenn ich ab und an einen verstorbenen Freund besuchen gehe, setze ich mich zu ihm und unterhalte mich mit ihm. Das kann ich zwar auch an den Orten machen, an denen ich zu Lebzeiten mit ihm war, aber irgendwie ist es ein kleiner Trost, wenn man einen festen und ruhigen Anlaufpunkt dafuer hat - auch wenn da nur noch die Gebeine vor sich hin modern........ egal ob das Grab nun gepflegt ist oder nicht.
MeinSempfDazu, Jaelle
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06.09.2008, 19:32
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Friedhöfe Beitrag #7
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Para-Akoluth
Registriert seit: 16.05.2008
Ort: Meppen
Beiträge: 149
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AW: Friedhöfe
Danke für eure Antworten.
Das mit dem Mittelalter und dem alten Ägypten kenn ich auch, aber für mich ist es immer noch unverständlich, dass sogar total ungläubige Menschen (Menschen wie mein Freund) Grabstätten errichten bzw. errichten lassen. Die glauben doch eh nicht an Leben nach den Tod (oder Tot?) warum errichten die denn Grabstätten?
Das eigenartige ist auch, dass ich mich auf Friedhöfen nicht unwohl oder unbehaglich fühle. Friedhöfe lassen mich total kalt. Ich habe keinerlei Gefühle gegenüber Friedhöfen. Weder Respekt noch Hass noch Liebe. Einfach Gleichgültigkeit. Das klingt für einige jetzt total schlimm, aber so meine ich das nicht, wie man es vielleicht verstehen könnte.
Lg Sandy
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06.09.2008, 20:03
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Friedhöfe Beitrag #8
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Registriert seit: 13.09.2007
Beiträge: 0
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AW: Friedhöfe
heutzutage muss man dazusagen, dass es gesetz ist, sich auf einem friedhof mit grabstein beisetzen zu lassen. in deutschland zumindest hat man da keine andere wahl.
und tod übrigens
eins noch:dass friedhöfe dich kalt lassen ist nicht weiter schlimm, denn es ist nur ein ort, wo die gebeine in ruhe verwesen dürfen, meiner meinung nach. seelen, geister oder wie man sie auch nennen mag, halten sich sowieso selten in der nähe ihrer sterblichen überreste auf, sondern dort, wo sie glücklicher sind. in ihrem haus oder lieblingsplatz o.ä.
nochmal aufs eigentliche zurück: also menschen werden mit namen und stein beigesetzt, damit mansich an sie rinnert und nicht irgendwann mal fragen muss :"wer war das noch gleich un wo lag er?". außerdem ist es für viele angehörigen eine art trost zu wissen:da ist er/sie. sie fühlen sich wieder zu ihm/ihr verbunden.
weiterhin wie schon erwähnt ist es gesetz, dass sie dort gebettet werden. das hat etwas mit der menschenwürde zu tun, dass man den körper ebe nicht in den nächsten busch wirft, sondern ihn angemessen seiner person bestattet. ich habe ml in einem bestattungsinstitut gearbeitet, daher weiss ich diese gesetzliche lage
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06.09.2008, 20:39
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Friedhöfe Beitrag #9
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Para-Practicus
Registriert seit: 15.06.2007
Beiträge: 540
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AW: Friedhöfe
Zitat:
Zitat von miau
heutzutage muss man dazusagen, dass es gesetz ist, sich auf einem friedhof mit grabstein beisetzen zu lassen. in deutschland zumindest hat man da keine andere wahl.
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Stimmt nicht, das Gesetz erlaubt auch alternative bestatungen, wie Cremieren (einäschern) und dann verstreuen auf einen Aschefeld oder die Islamiche Leinenbestatung.
Eigendlich ist nur Seebestatung noch nicht erlaubt.
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15.09.2008, 02:53
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Friedhöfe Beitrag #10
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Para-Practicus
Registriert seit: 28.06.2008
Ort: Inmitten von Wald und Wiese
Beiträge: 630
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AW: Friedhöfe
Grabsteininschriften als Zeichen einer "formularisierten" Welt.
Ein fester Anlaufpunkt? Ja, irgendwie schon. Nur...
Ich habe dieses Jahr zwei Erfahrungen gemacht - mein Bruder starb und ich weiß bis heute nicht, wo er begraben liegt. Also kein Anlaufpunkt.
Dafür hole ich ihn an mein Feuer, gedenke ihm, wie es einem Ahnen gebührt, trage ihn im Herzen, um mich herum. Freiheit!
Ein alter Freund starb - über Umwege habe ich herausgefunden, wo er begraben liegt. Und das blockiert mein Denken, denn ich würde ihn gerne an mein Feuer holen, doch in meinem bürokratischen Erleben "wohnt" er unter einer Grabplatte... Ist doch beknackt, oder?
Ich finde das Modell "Verbrennen und Asche unter einen Baum streuen" gigantisch! Wozu brauchen wir Friedhöfe, wenn letztendlich doch nur die Hinterbliebenen eine lebhafte Erinnerung an den Verstorbenen haben? Die, die nachkommen, können den lang Verstorbenen nur an ihren Feuern gedenken, um sie kennenzulernen.
Lagerfeuer ist übrigens auf dem Friedhof verboten!
LG
Lapidem
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