Man könnte vielleicht auch noch ergänzen, dass die Kabbala mehrere Ebenen besitzt.
Da gibt es die mündliche Kabbala, die immer nur "von Mund zu Ohr" weitergegeben wird, also von Lehrer zu Schüler, und niemals aufgeschrieben wird. Die mündliche Kabbala dürfte sehr, sehr alt sein.
Dann gibt es die schriftliche Kabbala, bei der versucht wurde, das, was mündlich weitergegeben wird, irgendwie in Schriftform zu bringen. Qualitativ gibt es da gewaltige Unterschiede zwischen den verschiedenen kabbalistischen Texten. Aber als sozusagen "Urquellen" werden das Sepher Jetzirah und der Sohar angesehen.
Dann gibt es die Buchstabenkabbala, die sich mit dem Studium und (kabbalistischen) "Dekodierung" der heiligen Schriften beschäftigt. Alle hebräischen Buchstaben sind gleichzeitig ein Symbol für eine Idee und eine Zahl. Durch die Verbindung der Zahlenwerte können Querverbindungen zwischen Symbolen und deren Bedeutung hergestellt werden. Auf diese Weise kann man sozusagen "kabbalistische Mysterien" selbst für sich eröffnen.
Und dann gibt es noch die symbolische Kabbala, die sich mit dem Diagramm des Baum des Lebens beschäftigt, den 10 Sephiroth und - was im allgemeinen eher weniger bekannt ist - dem sogenannten Diagramm des Raumwürfels.
Ausserdem gibt es verschiedene Ansätze bzw. Ausrichtungen der Kabbala. Im Ursprung war es sicherlich eine jüdisch-hebräische Weisheitslehre, daher auch die hebräischen Buchstaben. Aber später wurde die Kabbala in die christliche Tradition mit integriert, so dass die auch die sogenannte christliche Kabbala entstand. Daneben gibt es aber auch noch die hermetische Kabbala, die Teil der westlichen "Geheimwissenschaften" ist.
Da die Kabbala im Kern universell ist, kann die Beschäftigung mit ihr bei allen drei Herangehensweisen entsprechende Ergebnisse erzielen - zumindest sofern die jeweilige Methodik wirklich authentisch ist, und nicht irgendwie verfälscht wiedergegeben wird.
Im Großen und Ganzen kann man die Kabbala durchaus als so eine Art westliches Yoga betrachten. Womit aber nicht das körperbetonte Hatha-Yoga gemeint ist, was die meisten hier bei uns für das einzige Yoga halten. Es ist tatsächlich eine alte Weisheits- und Erkenntnislehre, die immer noch funktioniert.
Der Baum des Lebens ist dabei so eine Art grafisches Symbol für die gesamte Welt ... also vom Mikrokosmos bis zum Makrokosmos ... vom Menschen bis zum Universum bzw. dem Göttlichen. Die zehn Sephirot zeigen die verschiedenen Aspekte dieser "Wirklichkeit", und wie sie miteinander in Verbindung stehen, wie sich gegenseitig bedingen, beeinflussen usw. usw.
Gruß
Aladin